Wie entsteht ein Ebook?

Wie funktioniert das eigentlich, ein E-Book zu machen? Habt ihr selbst schonmal eins gemacht oder habt es vor? Für alle Interessierten schreibe ich einen kleinen Artikel darüber, was es bedeutet ein E-Book zu erstellen. Wie geht man vor, was braucht man, was ist wichtig, wie sind die Arbeitsschritte? Vielleicht auch besonders interessant für diejenigen, die nach immer mehr Freebooks schreien und einen Preis für ein gut gemachtes Ebook nicht verstehen. Natürlich kann dies kein allgemein gültiger Ratgeber sein, jeder geht anders vor, ich beschreibe euch aber gern meine Arbeitsweise. Als Beispiel werde ich mich immer mal wieder auf mein Lätzchen-Ebook „Miss Mampf“ beziehen.

Material: Stifte, Maßband, Lineal, Schere, Geodreieck, Papier, Tesa, Drucker, Scanner, Laptop (bei mir ein Mac), Programme (Bildbearbeitung wie iPhoto, Fotor, Collagelt, Inkscape, Gimp. Schreibprogramm Scribus), Spiegelreflexkamera

  1. Idee

Man könnte dies auch Marktforschung nennen. Ich selbst bin sehr aktiv in verschiedenen Facebook-Gruppen oder Blogs und schaue immer wieder was meine Kollegen gerade anbieten. Welche Schritte/ E-Books besonders beliebt sind, welche Jahreszeit man gerade hat muss einbezogen werden, quasi eine Trendforschung muss gemacht werden. Natürlich kann man sich bei anderen Inspiration holen, doch dass ich mir andere E-Books genau ansehe, liegt auch daran, dass man sichergehen muss, nichts zu kopieren. Es bringt niemandem etwas, wenn es von verschiedenen Anbietern 5 sehr ähnliche Pulloverschnitte gibt. Neu muss es also sein, schick, trendy, gut zu nähen, möglichst auch Anfängertauglich.

  1. Zeichnen

Ist die Idee geboren, muss diese zu Papier gebracht werden. Ich zeichne dafür meinen Entwurf mit Bleistift auf DinA4- Blätter, werden mehrere gebraucht, klebe ich diese so exakt wie möglich aneinander. Sinn macht es dann einen Druckrand frei zu lassen. Bedeutet ca 0,7 cm rundherum bleiben leer, da dies der Bereich ist, den der Drucker später nicht bedruckt. Jetzt sollte man sich auch überlegen, ob man den Schnitt mit oder ohne inkludierte Nahtzugabe anbieten kann/will. Beim Schnitt muss dann genau überlegt werden, wie dieser aussieht, wenn man ihnen im Bruch legt, wie man die einzelnen Schnitteile auf dem DIN A4 Blatt möglichst klug positioniert, sodass man möglichst wenig Papier braucht. Darüber freuen sich später die Anwender und auch die spätere Dateigröße kann damit in Zaum gehalten werden. Meine Zeichnung wird zwischendurch immer wieder vermessen (passen die Maße zueinander, ist alles seitengleich). Wenn in einem Ebook z.B. ein Kleidungsstück mit verschiedenen Größen angeboten wird, sollten diese nun auch gezeichnet werden. Dazu braucht man natürlich das KnowHow, wie sich Größen jeweils unterscheiden, in welchen Abständen welche Schnitteile zueinander stehen müssen, um eine neue, passende Größe zu konstruieren.

  1. Prototyp+ Fotos

Nun kopiere ich meinen Entwurf, um diesen dann einmal auszuschneiden. Mit dieser Vorlage wird dann der Prototyp genäht. Alle Schritte des Nähens werden jetzt schon einmal fotografiert (man kann nie genug Fotos haben). Das bedeutet: jetzt schon vorstellen, welche Nähschritte für andere interessant und wichtig sind. Z.B. Das richtige auflegen des Schnittes auf den Stoff, Zugabe der Nahtzugabe, Stoffteile richtig aneinander stecken, welche Nähte/Stiche/Maschinen werden verwendet, wann wie richtig bügeln, wie die einzelnen Teile zusammensetzen, welche Extras (Zusätze wie Zierbänder, Versäumen etc.) kann man wann wie einbauen und am Ende natürlich auch Bilder zur Passform. Für die Erstellung der Bilder spielt natürlich auch die Beleuchtung, der Hintergrund für die Fotos und die Auswahl der Bildausschnitte eine Rolle.

Foto 2-15 Kopie 2

  1. digitaler Schnitt

Ist der Prototyp „massentauglich“ scanne ich die einzelnen DinA4-Blätter nacheinander ein. Diese werden in einem Ordner gesammelt und einzeln in Inkscape (arbeitet mit Vektorgrafiken) bearbeitet. Dazu muss ich darauf achten, dass später meine Zeichnungen exakt größengleich ausfallen. Dabei hilft die Zeichnung eines Kontrollkästchens (Rechteck mit bestimmten Maßen, dass auch nach dem Druck noch die angegebene Länge hat). Dann erstelle ich eine Kopie: heißt ich überzeichne meine Bleistiftzeichnung mit schönen geraden Linien und (Bézier-)Kurven. Hört sich vielleicht einfach an, dauert aber gern mal ein paar Stunden. Zwischendruch speichere ich immer wieder eine svg-Datei ab, diese lässt sich später immer wieder bearbeiten. Wenn alle Maße passen (das Programm zeigt einem je nach Wahl die Messeinheiten Pixel, mm, cm), speichere ich die Dateien als png-Datei. Diese kann ich dann mit Apples Vorschau-Funktion öffnen und ausdrucken. Vor dem Druck müssen nochmal Seitenverhältnisse geprüft werden. Bei mir zeigt die Druckvorschau gerne das Dokument in einem Seitenverhältnis von 72 % erhöht man diese auf 100 % muss der Schnitt natürlich immer noch auf ein DinA4-Blatt passen. Jetzt drucke ich diese Datei und messe das Kontrollkästchen, bzw lege zur Kontrolle meine Bleistiftzeichnung noch einmal auf. Passt alles, ist dieser Schritt fertig.

  1. Fotos sichten und bearbeiten

Die gemachten Fotos überspiele ich nun von der Spiegelreflex nach iPhoto. Hier kann schon die erste Auswahl und Bearbeitung stattfinden. Heißt: Farben/Helligkeit verbessern, überflüssiges Ausschneiden (heißt bei iPhoto Freistellen). Gegebenenfalls kann/muss man nun den Zwischenschritt des Freistellens (jetzt in der allgemeineren Definition gemeint) einbauen, heißt Objekte mit Gimp ausschneiden und den Hintergrund weißen. Hat man von Anfang an gute Fotos gemacht, kann man sich diesen, auch sehr langwierigen Schritt, sparen.

  1. Anleitung anfertigen

Nun öffne ich Scribus, ein Programm, dass auch für das Design von Zeitungen genutzt wird. Hier kann genau angegeben werden, in welchen Abständen Texte und Bilder gereiht werden. Dazu muss man Text- oder Bilderrahmen erstellen und deren Positionierung zueinander im mm-Bereich einstellen. Diese werden dann mit Bildern von Punkt 5 gefüllt. Ich habe mich für die Aufteilung links Bildleiste, rechts daneben erklärender Text entschieden. Bei diesem Punkt heißt es wirklich nachdenken. Denn: das Nähen läuft bei mir automatisiert ab, was bei Schnittneulingen und vor allem Anfängern nicht unbedingt der Fall ist. Bedeutet ich muss mir vorstellen können wie ich mein automatisches Handeln in kleinste Handlungsschritte aufsplitte und wie ich etwas beschreibe, sodass die Anleitung unmißverständlich ist. Dies ist anderswo übrigends ein eigener Berufszweig. Es ist mir schon passiert das mir erst bei diesem Schritt aufgefallen ist, dass ich wichtige Schritte gar nicht fotografiert habe. Das bedeutet dann, dass ich noch einen Prototyp nähen muss, um die Fotos nachzuholen. Habe ich das Gefühl dass die Anleitung nun verständlich sein wird geht es zum nächsten Schritt.

  1. Probenäher aquirieren

Gern habe ich parallel zu den letzten Schritten schon einen Aufruf auf Facebook unter meinem Blog gestartet um mögliche Probe nähern zu finden. Dazu erstelle ich mit Foto eine Collage die meinen Prototyp gezeigt und beschreibst wen ich genau suchen. Die Ausschreibung lasse ich circa einer Woche laufen und schaue mir dann die Bewerbungen durch. Bisher waren es immer so viele dass ich nicht alle Menschen hinter den Bewerbungen angucken konnte. Auswahlkriterien sind hier Herzlichkeit der Bewerbung ( sowas wie ein kurzes „Will ich nähen“ schau ich mir nicht weiter an.), Nährfahrungen, eigene Seite ja oder nein, bisherige Qualität der Fotos, Größenabdeckung (wird jede Größe ausreichend genäht, heißt bei mir jede mindestens 2x) Ich erstelle dann eine Facebook Gruppe bei sich hierüber der Austausch der Dateien und auch der inhaltliche am besten händeln lässt.

Die ausgewählten Probenäher lade ich dann in die Gruppe ein und lade meine fertige Dateien hoch.

  1. Probenähen

Nach Einladung der Probenäher kontrolliere ich dann noch mal, ob auch alle den Weg in die Gruppe gefunden haben, die ich ausgesucht habe. Es muss dann auch noch geklärt werden ob wirklich alle Zeit haben, das E-Book zu nähmen, es ist schon vorkommen dass einige dann doch krank waren oder etwas anderes dazwischen gekommen ist. Die Probe näher haben meistens circa eine Woche Zeit mir ihr Feedback zu geben. Fragen und Anregungen der fleißigen Helfer werden natürlich zwischendurch immer wieder betreut.

  1. Feedback einbauen

Mit dem gesammelten Feedback gehe ich dann nochmal über Schnitt und Anleitung. Mit Scribus habe ich dann schon ein Deckblatt designt und Füge am Ende der Probenähzeit die Fotos der genähten Teile am Ende meines Scribus-Datei ein. Zuletzt füge hänge ich hier den Schnitt (Größengleichheit muss beachtet werden) an und speichere alles als pdf-Datei ab. Diese muss dann, meist verlustbehaftet, komprimiert werden. Ich kontrolliere dann, ob der Verlust in der Darstellung der Bilder negative Auswirkungen hatte.

  1. Online gehen

Für die Posts auf Facebook oder meinem Blog erstelle ich Collagen, ebenso eine extra für Dawanda, da hier andere Bildgrößen zugelassen sind. Zuerst stelle ich die Datei bei Dawanda online, bedeutet: Preisfindung muss stimmen, Artikelbeschreibung muss her, passende Wiederrufsformulierungen für digitale Artikel braucht man, Fotos werden eingebunden, ein Fetch-it-Link wird erstellt (erleichtert das sofortige Herunterladen der Datei), Verkaufsprovision wird bejaht und dann ist es da: das neue Ebook.

  1. Werbung machen

Dawanda ist ja bekanntlich ein schwarzes Loch, Artikel rutschen schnell nach hinten, also müssen die potentiellen Käufer informiert werden. Mit den Collagen von Punkt 10 poste ich z.B. auf Facebook gern den Link zu Dawanda. Ein Blogartikel macht auch Sinn, diesen kann man dann wiederum mit anderen Blogposts verbinden, bzw. bei Linkpartys einbinden.

Ich hoffe, dass dies einen guten Überblick geben konnte, was dazu gehört, ein Ebook zu erstellen. Fragen, Anregungen etc. nehme ich wie immer gern entgegen: berlinerie@gmx.de

Eure Lena

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