Probenähen der Sporttasche von Fadenschatz- eine Kritik

Gerade gingen ja so einige Diskussionen im www umher, Unmut von nicht gezogenen Gewinnspielteilnehmern, Unmut von nicht auserwählten Probenäherinnen (z.B. von alles-für-selbermacher, die nach ihrer Benennung ihrer Probenäher einem kleinen Shitstorm Stand halten mussten) und wiederum Unmutsäußerungen über diesen Unmut. Ich muss sagen, ich kann immer irgendwie auch ein bischen beide Seiten verstehen, hoffe aber auch, dass dieses Gemauschel der Nähszene nicht wirklich Schaden zufügt. Einen letztens benannten Unmut fand ich besonders interessant und möchte mich dem heute widmen: eine Dame wunderte sich im Nähforum darüber, dass es so viele Probenäherinnen gibt, die stolz ihre Ergebnisse zeigen (verständlich) und das genähte Ebook dann in höchsten Tönen loben (ihre Meinung dazu: ist das nicht eine reine Werbemaschinerie, werden Probenäherinnen für so etwas belohnt, gibt es wirklich nur so „unglaublich tolle, schnurzel-purzel-süße Ebooks, die so extrem einfach zu nähen sind?). Natürlich kann jede Probenäherin, auch ich, dazu nur sagen: ein Ebook entstehen zu lassen ist ein gemeinsamer Prozess mit den Teilnehmenden. Da wird VOR Veröffentlichung ausprobiert, wieder verworfen und gemeinsam verbessert. Und zwar meist doch so lang, bin am Ende das Ebook wirklich verständlich, gut bebildert und der Schnitt richtig angepasst ist. Das ist sehr viel Arbeit. Von der Seite her kann man sagen: lasst die stolzen Probenäherinnen stolz sein!

Was aber, wenn bei so einem Probenähen vielleicht das Ebook am Ende gut geworden ist, es für die Probenäherinnen aber rein menschlich schwierig war? Dies ist bei mir so leider geschehen und davon möchte ich nun berichten. Denn ich finde, so wunderbar die Nähwelt ist, sollte doch jeder auch seine persönlichen Befindlichkeiten benennen dürfen, dafür schafft das Internet Raum, gerade wenn man einen Blog betreibt. Ich wurde also in meiner Geschichte nun ausgewählt für Fadenschatz probe zu nähen. Eine Sporttasche mit kleinen Extras wie Flaschenhalter und Seitentasche.

 

Am 25.5. bekam ich die Nachricht, dass ich dabei sei (hier noch mit normal netten Floskeln wie „liebe Grüße“), zwei Tage später dann die Information, dass man erst jetzt dazu käme die Dateien zu verschicken. Auf meine Nachfrage am 3.6 kam erstmalig keine Reaktion, dafür dann am 4.6. endlich, allerdings um Mitternacht die Datei, mit dem Vermerkt ich hätte bis Sonntag Zeit, also 4 Tage. Das hör sich erst einmal viel an, doch sollten dies sehr anstrengende Tage für mich werden, hat der normale Bürger doch auch noch zig andere Verpflichtungen und kann die gegebene Zeit nicht 24- oder auch 12 Stunden dem Nähen widmen. In der Mail stolperte ich dann über Formulierungen wie „ich möchte, dass du dies, ich möchte, dass du jenes…“ Für meine warscheinlich auch recht empfindlichen Sensoren empfand ich dies als etwas unfreundlich, da in leichter Befehlsform. Schöner hätte ich gefunden: „es wäre schön wenn du; ich würde mich freuen, wenn…“

Am 5.6. also setzte ich mich ans Nähen und scheiterte schon am zusammensetzen des Schnittmusters. Fast alle Blätter hatten als Markierung Zahlen, nur waren diese gleich, so gab es 3 Einsen, 3 Zweien etc. Da ich versuchte durch das Gewusel an Zahlen und Strichen (Bruchkanten waren wie ich später Verstand mit Doppellinien versehen) hindurchzukommen fragte ich gleich Nachmittags nach, erhielt aber erst am 6.6. Mittags eine Antwort. Später suchte ich noch Informationen zur Nahtzugabe, was sich erst in der Kommunikation mit der Ebookerstellerin klären ließ, mitlwereile war es Abends und ich hatte noch nicht einmal angefangen. Meine Nerven waren jetzt schon etwas dünn, hatte ich dummerweise nebenbei noch ein krankes Kind zu Hause und mein weiteres Arbeiten scheiterte auch an Fragen wie: „Wie lang soll der Reißverschluß sein“, weil es auch hierzu keine Informationen gab. Die Antworten auf meine Fragen wurden indes immer knapper, bzw waren wenig hilfreich. Z.B hatte ich zwei Stoffteile die nach Schnittmuster ausgeschnitten waren, einen Taschenboden ergeben sollten, aber nicht zusammen passten. Antwort darauf: „komisch, bei mir passt es.“ Wenig hilfreich. Unterdessen hatte ich eine Großartige Hilfe und Begeleiterin in einer anderen Probenäherin gefunden, die ebenso ratlos, obwohl näherfahren, war. Erst durch sie bekam ich wichtige Informationen, wie „am Teil XY ist der Bruch auf der falschen Seite angezeichnet“. Auch nicht ganz unwichtig.

Auch sie wunderte sich zusehends, über wenige Ansprechbarkeit der Erstellerin, bzw. über den kurzen, unfreundlich wirkenden Ton. Zwischendruch bekam ich dann die Info, dass zwei Probenäherinnen abgesprungen seien, was mich nicht wunderte, war ich mitlerweile auch mehrfach kurz davor gewesen. Der Ehre halber und durch die tolle Mutgebung meiner Mitnäherin, schaffte ich es dank Nachtschichten dann doch noch meine Tasche fertig zu stellen und ein paar brauchbare Fotos zu schießen. Auf mein Endergebnis war ich doch sehr stolz und schickte zur fristgerechten Abgabe eine Collage an die Erstellerin. In meiner Nachricht bot ich an, ihr natürlich die Bilder im Einzelnen schicken zu können. Einzige Reaktion darauf: “ Unbedingt die Einzelbilder bitte“. Kein Danke, oder oh was für eine schöne Tasche etc. Ebenso gestaltete sich die Abgabe bei meiner Mitnäherin. Bis heute haben wir kein Danke gehört/gelesen. Ich kenne es normalerweise auch so, dass man als Probenäherin am Ende eines solchen Nähens das fertig skalierte Ebook zugeschickt bekommt. Nicht so bei dieser Sporttasche. Bei Nachfrage danach: Keine Reaktion. Dafür lasen wir dann ein paar Tage später auf der Facebookseite von Fadenschatz: „Auch hier muss ich wieder schimpfen, 6 Probenäher genannt, 4 haben sich gemeldet, 2 rückten nach, auch diese haben sich nicht mehr gemeldet. Und dann der Gau, nur 3 Mädels haben abgegeben.“ Darauf folgten dann Beileidsbekundungen wie „Ich versteh sowas nicht. Ich bewerbe mich doch nirgends wenn ich dann doch nicht will/kann? Es glauben wirklich viele im Internet kann man sich alles erlauben.“ oder auch „Hmm das tut mir Leid für dich! Sowas ist immer total daneben!“ Liebe Erstellerin des Ebooks, solche Ausdrücke wie schimpfen müssen, finde ich hier völlig fehl am Platz, wenn man von anderen verlangt in kürzester Zeit ein völlig chaotisches Ebook zu nähen, sich rar macht, wenig helfende Tips gibt und sich am Ende noch nicht einmal bedanken kann. Ich kann alle Abgesprungenden verstehen und hoffe dass ich in Zukunft nur noch schöne Probenäherfahrungen machen werde.

 

Nachtrag: Ein paar Stunden nach der Veröffentlichung meiner Kritik kam eine Email: Im Anhang das fertige Ebook und ein Dank an alle Probenäherinnen.

 

 

Da ich meine Tasche schön finde und ich schon erfolgreich auf Reisen damit war, kommt sie heute zu RUMS.

sporttasche

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7 Kommentare zu „Probenähen der Sporttasche von Fadenschatz- eine Kritik

Gib deinen ab

  1. Äääääääääh, ja. So wünscht man sich ja ein Probenähen…. Das tut mir leid, so macht es keinen Spaß. Denn bei aller Arbeit soll es ja auch Spaß machen! Da habe ich bisher immer Glück gehabt und die eBook- oder Stickdateienerstellerinnen wussten, wie eine erfolgreiche Kommunikation mit den Probedamen funktioniert. Ich finde es toll, das Du das hier so offen schreibst.

    Deine Tasche ist toll geworden! Im Endeffekt ein schöner Abschluss.

    Liebe Grüße
    Sarah

    1. Hallo Sarah, danke dir! Ich hatte heute morgen um 10 Uhr versucht diesen Link auf deiner RUMS- Seite zu posten, in der Vorschau konnte ich meinen Beitrag dort auch schon sehen, jetzt ist er leider weg. Habe es nun nochmal versucht und da sagt mir inLInkz nur, dass ich ihn ja schon verlinkt hätte. Wüsste gern, warum mein Link weg ist.

      LG Lena

  2. Na, das war ja wirklich keine schöne Erfahrung. So wie du es beschreibst, scheinen die Wahrnehmungen da auch noch auseinander zu gehen. Ich hoffe für alle Beteiligten, dass sich das vielleicht abschließend noch irgendwie klären lässt. Ich mache gerade meine ersten Probenäherfahrungen und die sind bisher alle positiv. Vielleicht trägt dein Beitrag ja auch dazu bei, die Kommunikation auf allen Seiten nochmal zu überprüfen, damit auch andere Probenähaktionen positiv verlaufen und ihren Zweck – ein eBook im Entstehen zu begleiten und mitzugestalten – erfüllen können mit Gewinn für alle Beteiligten.
    LG, Michelle

  3. Na, da hast du ja wirklich keine schöne Probenäherfahrung gemacht, so gehört sich das einfach auch nicht! Ich nähe als Stammnäherin probe und kann nur sagen da klappt alles immer hervorragend, die E-Book Erstellerin ist unglaublich kompetent und schon die ersten Entwürfe sind immer toll. In diesem Sinne hoffe ich du lässt dich nicht entmutigen und machst in Zukunft bessere Erfahrungen.
    Und die Tasche ist trotzdem schön geworden, so hatte es doch was Gutes:-)
    L.G. Jutta

  4. Ich kenne beide Seiten – habe sowohl schon probegenäht, als auch probenähen lassen. Ich war mit meinen Probenäherinnen sehr zufrieden, haben konstruktive Kritik gegeben, die ich auch umsetzen konnte. Aber auch ich habe erlebt, dass mir fast die Hälfte der Probenäher abgesprungen sind, obwohl sie für ein Teil, was sich in unter einer Stunde nähen ließ, 14 Tage Zeit hatten. Im Nachhinein weiß ich, dass diese Damen wohl schon bekannt dafür waren, sich nur als Probenäher zu melden, um kostenlos an eBooks zu kommen.
    Als ich probegenäht habe, hab ich auch leider lange auf die Beantwortung von Fragen warten müssen. Es wurde sich zwar bei mir bedankt, es hat auch bis zur Veröffentlichung des eBooks noch ewig gedauert, aber ich habe nicht die geringste Ahnung, was an (wirklich dringen notwendigen) Änderungen vorgenommen wurde. Auch ich hab nicht die finale Version des eBooks erhalten. Ob andere Probenäherinnen auch Probleme damit hatten, weiß ich nicht, denn es wurde nie bekannt, wer noch dabei war. Auch wurden keine Fotos von den Resultaten der Probenäher gezeigt. Die eBook-Erstellerin sucht jetzt wohl wieder Probenäher, erwähnt ihr Stammteam, zu dem ich nicht gehöre. Wenn das eBook wieder von der Qualität ist, wie das, was ich genäht hatte, wünsche ich den Probenähern gute Nerven… Falls es sogar in der Qualtiät sein sollte, wie ihr Freebook, wünsche ich denen doppelt und dreifach gute Nerven, denn selbst sehr erfahrene Näherinnen sind daran gescheitert…
    Ups, ganz schön lang geworden, dieser Kommentar… aber musste mal raus 🙂

  5. Liebe Sandra,

    Ich möchte auch gerne hier Stellung beziehen.

    Wie auf meiner Facebookseite geschrieben, hatte ich nach der Auslosung der Probenäher ein sehr persönliches Thema für mich zu verarbeiten, mit dem ich nicht konzentriert arbeiten konnte. Mit den Vorerkrankungen meiner Mutter, hatte ich die Befürchtung das die Chemotherapie meiner Mutter nicht geholfen hat und der Krebs wieder streut. Ich bin wirklich nur ein Mensch.

    Es tut mir leid das die Kommunikation so schief gelaufen ist, ich habe ja bereits erwähnt, dass ich ein neues Konzept erarbeite.
    Mit der Suche zur Aufstockung meines Teams habe ich bereits damit angefangen und muss sagen, dass es viel Strukturierter läuft.

    Was deine Schwierigkeit mit dem Schnittmuster angeht, so ist dies ein erarbeitetes Konzept von mir und meinem Stammteam, die Zahlen, so wie die Übersicht sollen stark zur Vereinfachung dienen. Seit Einführung des Systems habe ich persönlich keine Beschwerden darüber erhalten. Ich werde deine Anregungen nochmal im Team ansprechen.

    Die Empfindungen über die Übersichtlichkeit des ebook sind hier auch stark gespalten. Du sprichst von chaotisch, eine deiner Mitnäherin empfand es als verständlich. Lass hier bitte deine Antipathie mir gegenüber nicht die Anleitung beurteilen.

    Es ist doof gelaufen, hat mir aber gezeigt wodran ich noch arbeiten muss. In daher ist auch deine schlechte Kritik für mich positiv.

    Danke!

    Jule

  6. Eigentlich erledigt man für den E-Book-Verkäufer unbezahlte Arbeit und Werbung, und da sollte man wohl ein bisschen Dankbarkeit erwarten.
    Ich habe erst einmal probegenäht und da lief zum Glück alles problemlos.
    LG Judy

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