Pantomimekurs bei Jörg Brennecke

„Das Unsichtbare durch das Sichtbare (Spieler) sichtbar machen“ – Jörg Brennecke

Berlin hat ja einige Besonderheiten zu bieten. Dass es hier auch ein Ausbildungszentrum für Mime und Pantomime gibt, fand ich dann aber doch sehr besonders. Kurse, wie den von mir belegten, können Interessierte auf der Seite des Zentrums (http://www.brennecke-pantomime.de/index.html) oder über die Volkshochschule (http://www.vhsit.berlin.de/VHSKURSE/BusinessPages/CourseSearch.aspx) zu buchen.

Leider kam ich gleich am ersten Tag etwas zu spät, sodass ich die Vorstellungsrunde der 15 Mann starken Gruppe verpasste. Erst später erfuhr ich dank der einstündigen Mittagspause, was das für Menschen sind, die sich zu einem Pantomimekurs anmelden. Da waren also Studierende (Fremdsprachenkorrespondenz, Lehramt, Ingenieurswissenschaften), Schüler ( zwei Jugendliche von unterschiedlichen Waldorfschulen kommend und ein Auszubildender der Pantomimeschule), ein Artist (der die Gruppe mit seinen Ballettsprüngen zu beeindrucken wusste), eine Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache und meine Wenigkeit als Improspielerin.

Jörg leitete sehr wohlwollend, aber streng durch die zwei Tage. Das Programm war in mehreren Stufen aufgebaut: Körperarbeit zur Grunsteinlegung und zum Einstieg, Pantomimehandwerk anhand einiger Beispiele, (Bühnen-)Raumbearbeitung und zum Schluss szenische Arbeit. Durch seine wertschätzende und konsequente Art (gern wurden Übungen wiederholt, bis das gewünschte Ergebnis zu sehen war) schaffte er es, jeden einzelnen der Gruppe zum Leuchten zu bringen.

Aus dem Imrotheater kommend, waren die Unterschiede Impro vs.Pantomime sehr interessant: Szenen ohne Sprache zu spielen, den Fokus auf Bewegungen legen, jede Bewegung langsam, fast zeitlupenartig auszukosten. Auch die Art der Bewegung war unterschiedlich. Darf beim Impro gezeigt werden, wie man sich ganz normal bewegt (z.B. Rennen), wird die Bewegung in der Pantomime vom normalen Standard für die Bühne transformiert. Das Rennen wird hier Übertrieben und in Zeitlupe gezeigt, die Arme nach vorn, die Beine hoch nach hinten geworfen. Weiteres Beispiel: Gehen zu einem entfernten Ort. Im Impro wird eben gegangen, auf der Stelle, um zu Zeigen, dass eine Person eine weite Strecke zurücklegt. In der Pantomime bewegt die Person sich auf jeden Fall auch auf einem Fleck, allerdings in Slow-Motion und in einer Art Auf-der-Stelle-Moonwalk („marche sur place“). Dazu werden die Arme angewinkelt bewegt, ähnlich wie man einen Wanderer mit Wanderstöcken zeigen würde.

Ebenso sollte ein guter Pantomime, schon in den ersten Sekunden seiner Szene unmissverständlich klarmachen, was für einen Gegenstand er gerade nutzt (z.B. Ball), wohingegen im Impro auch die Möglichkeit besteht, das Objekt gemeinsam zu definieren und dieses auch wandelbar zu gestalten. Die Aussage hierzu: „Das Publikum will nicht raten, was man in der Hand hat.“ Hierzu gab es den theoretischen Hintergrund, dass „kein Objekt an sich sofort erkennbar ist, sondern es erst wird, wenn es in eine typische Handlung eingebunden wird.“

Ich freu mich schon darauf, meine Erkenntnisse meiner Improgruppe weiterzugeben und kann mir gut vorstellen, nochmal einen Pantomimekurs zu besuchen.

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