Sternstunden der Bedeutungslosigkeit- Rocko Schamoni

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Als ehemalige Hamburgerin muss man natürlich Schamoni gelesen haben. Dunkel sind die Erinnerungen an seine Dorfpunks, umso frischer der neueste Eindruck von ihm durch sein Buch „Sternstunden der Bedeutungslosigkeit“, 2008 erstmals im rororo-Verlag erschienen. Durch den Titel wird der Buchinhalt vorweggenommen: kein von mir je gelesenes Buch war langweiliger (nagut, außer dem in der Karibik absichtlich vergessenem Buch von Hakan Nesser „Die Einsamen“, aber das ist ein anderes Thema). Sympathisch zu bewerten ist jedoch, dass man sich dank Titel und Klappentext eh nicht viel versprochen hatte.

Das Buch handelt von Michael Sonntag, bei dem der Nachname Programm zu sein scheint. Ziellos, desillusioniert und mittellos erlebt dieser Tag ein, Tag aus, den gleichen langweiligen, nichtssagenden Alltag. Als drogennehmender Kunststudent, der irgendwann auch einmal zu Seminaren ging, hat Sonntag es sich zur Lebensaufgabe gemacht, alles von der Ferne aus ganz genau zu beobachten. Er selbst zählt sich zu den Unnormalen, zu denen, die nicht dazu gehören. Er träumt von der Liebe und von einem Lebensziel, das er gegen Ende des Buches gefunden zu haben scheint :“…ich habe ein Ziel im Leben gefunden: den nächsten Tag.“  Bei der Beschreibung dieser Tristesse, lebt man gerne mit Sonntag mit, liest über dessen Langeweile hinweg, um doch endlich eine Wendung in dessen Leben zu erfahren. Ob sie kommt, lasse ich potentielle Neuleser selbst herausfinden.

Sollte ich das Wort Langeweile bisher zu oft verwendet haben, zuletzt noch eine Positiv-Zusammenfassung: In der oft schlechten Laune, Exsistenzfragen und der vermeintlich aussichtslosen Suche nach Liebe, kann sich, denke ich, jeder wiederfinden, der auch schon mal einen schlechten Tag hatte. Rocko Schamoni weiß den Leser nicht ganz in die Depression stürzen zu lassen, indem er z.B. einen von Michael Sonntag verschluckten Goldfisch auftauchen lässt, der diesem aus dem Bauch heraus mit trockenen Kommentaren den Weg weist. Und dann ist da noch Hamburg. Hamburg bei am Abend, in der Dämmerung, im Morgengrauen. Wundervoll!

Leseempfehlung für Hamburger, Desillusionierte und Rocko-Fans.

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