Das weisse Buch- Rafael Horzon

Eines Abends zog es mich, wie des öfteren gern mal- wieder zum Bücherbattle im Monarch am Kottbusser Tor, eine sehr erfrischende Veranstaltung, bei der jeder Buchvorsteller 7 Minuten Zeit hat seine Lieblingslektüre vorzustellen.

Der sehr witzige Vortrag über Rafael Horzons Buch „Das weisse Buch“ ließ mich direkt am nächsten Tag in den Buchhandel meines Vertrauens laufen, um ein Exemplar des 2011 im Suhrkamp Verlag herausgekommenen Buches käuflich zu erwerben. Das war im Januar, es hat mich all die kostbare Zeit bis jetzt gekostet, dieses Buch von eigentlich nur 218 Seiten, durchzuexerzieren. Und das, obwohl ich normalerweise dicke Wälzer in 1-2 Tagen verschlingen kann.

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Zum Buch an sich:

Ein wundervoller, fast schon poetisch-schöner Anfang, in dem Rafael über sein Leben in Paris schreibt. Allein deswegen, wird das Buch einen Platz in meinem Regal finden. Die Passagen haben direkt drängendes Fernweh in mir produziert. Sofort begeisterte mich seine Lausbuben-Art zu schreiben und verschmitzte Wortwitze zu nutzen. Besonders schön fand ich seine seltsamen Zeitangaben wie 9.93 Uhr und hervorheben möchte ich das Kapitel, in dem er in Amerika mit einem Indianer reist, der an einer ganz besonderen Form des Diabetes zu leiden scheint.

In der ersten Hälfte des Buches ließ ich mich mitreißen in eine wunderbar-rasante Welt Horzons. Anscheinend hat dieser Kerl einen unbändigen Tatendrang. Glaubt man zunächst noch an einen etwas abseits geratenen Typen, der viele Jobs auszuprobieren vermag, so drängte sich mir des Späteren doch auf, dass die ständigen Wandel seiner Selbst wohl nur eine Art Künstlerleben sein kann, das das Leben und seine Facetten selbst als Kunst nutzt.

In diesem Buch gibt es für den Leser keine Ruhe. Hat man sich gerade an einen Sinneswandel gewöhnt, folgt sogleich der nächste, die Geschichten scheinen zusammenhangslos.

Je mehr mich die ständigen Neuerfindungen des Rafaels, mal als Möbelhausinhabers, mal als Autor, dann als Wissenschaftsakademie-Direktors verwirrten, desto weniger Lust hatte ich, weiteres zu erfahren. Gegen Ende des Buches waren die verschiedenen Veränderungen Horzons derart aberwitzig geworden, dass ich zum ersten Mal daran dachte, dass das komplette Buch frei erfunden sein muss und es sich hier nicht um etwas autobiographisches handeln kann. Ob dies so ist lasse ich nun mal offen.

Im Vorletzten Kapitel geschah dann das eigentlich völlig unmögliche, noch nie dagewesene: Ich klappte mit einer schnellen Bewegung das Buch zu und warf es in die Ecke. Normalerweise kämpfe ich mich bis zu jeden noch so bitteren Ende eines Buches durch, doch bei diesem Horzon-Buch scheint nichts normal.

Leseempfehlung für Individualisten und Hyperaktive.

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