Miss Saigon

Als Wiederholungstäterin konnte ich mir aufgrund wochenlanger Recherchen endlich einen Platz im Miss Saigon am Kottbusser Tor sichern. Diese sind zur Abendzeit sehr rar gesät, selbst ein dickes Portemonnaie, Koreanischkentnisse oder ein tiefer Ausschnitt helfen da nicht weiter, der Laden ist stets brechend voll. Nicht so zur Mittagszeit, zu der sich bei mir diesen Mittwoch der Hunger meldete.

Ich setzte mich auf einer der wenigen Bänke, die Bestuhlung besteht im Größten Teil aus eher tiefen Hockern, was dem Miss Saigon einen leichten Imbiss-Charakter verleiht. Zudem gibt es auch bei Regenwetter die Möglichkeit draußen zu sitzen.

Hack in Pfefferblättern(Bo la lot)

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Bisher hatte ich mich noch nicht an das Reisgericht mit Hackfleisch in Pfefferblättern gewagt, da ich Pfeffer nicht gern mag, schon gar nicht konzentriert. Der freundliche Sevice-Mensch wusste es mir trotzdem schmackhaft zu machen.

Die appetitliche Präsentation des Gerichts ist wohl aufgrund der Wickeltechnick des Pfefferblattes generell schwer möglich, kurzzeitig musste ich leider böse Gedanken an die Hinterlassenschaften meines Hundes wegschieben.

Geschmeckt hat es trotzdem, es war leicht pfeffrig-scharf, aber nicht zu sehr. Leider weiß ich trotz Nachfrage immer noch nicht genau, was Pfefferblätter eigentlich sind. Teilweise waren diese etwas schwärzlich angebraten, das innere lecker gewürzte Hackfleisch hätte weniger dicht sein können. Dazu gab es die obligatorische Portion Reis, die man auch als Nudeln bestellen kann mit viel frischem Salat.

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Zum Trinken gab es den von mir heißgeliebten Ananas-Minze-Shake, dessen frische Zubereitung im Tresenmixer die französische(?) Ladenmusik zu übertönen wusste.

Cha-Phe phin

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Sehr zu empfehlen ist der als landestypisch angebotene Kaffee mit traditionellem Brühverfahren. Unten im Glas befindet sich hierbei eine süße Milchcreme, die verrührt den kräftigen Kaffee zum Dessert-Ersatz macht. Unbedingt probieren!

Erste und letzte Erkundungstour des Primark-Shops in Berlin

Nach unzähligen Gerüchten und dem Drängen meiner shoppingbegeisterten kleinen Schwester fand ich mich am Samstag Vormittag nach recht langer Anreise-Odyssee im Primark-Shop im Schloss-Straßen-Center ein.

Der Erste Eindruck vermochte einen förmlich zu erschlagen: auf zwei Etagen erstreckt sich eine immense Ladenfläche, vollgestopft mit batterieähnlichen Regalen und potentiellen Kunden jeglicher sozialen Schichten. Die Gänge zwischen den Kleiderständen sind zum Teil sehr eng, zum Glück hatte ich meinen Kinderwagen zu Hause gelassen. Bei längerem Hinsehen erkannte ich, dass die Tonnen an Auswahlmöglichkeiten für Klamotten und Accessoires nur vermutet undendlich sind, da die einzelnen Angebote, z.b. Schals einfach in lagerähnlicher Aufstellung hundertfach nebeneinander hängen, wobei nur die Masse den „sehr viel Auswahl-Eindruck“ ausmachte. So hingen 50 blaue, 50 hellblaue, 50 dunkelblaue Schals nebeneinander. Ganz besonders kam es zu dieser Ernüchterung im Accesoiresbereich, in dem ca. 10-20 verschiedene Ketten hängen, diese immer in anderer Reihenfolge an den Ständern baumeln, sodass man zunächst glaubt hier gäbe es viel verschiedenes viel zu kaufen.

Schnell ließen wir uns vom raffgierigem Kaufrausch der Besucher anstecken und waren dankbar für die großen Stoffbeutel, die es zum Ausleihen und Herumtragen der Kleidung am Shopeingang gab. Schlau hieran gemacht war die dunkle Farbe dieser, die wie schwarze Löcher fungierten und geschickt kaschierten, dass man doch schon 50 Teile hineingetan hatte. Nach mehreren begeisterten Schocks angesichts der Preise in dem Laden ( T-Shirt 2,50-4,50, Schuhe für 3(!) Euro) reihten wir uns entmutigt in die ellenlange Warteschlange vor den Anprobekabinen an. Die halbstündige Wartezeit wurde genutzt über das Kleidungs-Angebot zu sprechen, das offensichtlich ganz am Zahn der Zeit orientiert ist und auch besonders Hipster-Bekleidung führt.

Nachdem wir es dann tapfer mit unseren unter der schweren Kleidungslast schmerzenden Körpern zum Eingang der Anprobe geschafft hatten, machte uns eine Angestellte hinter einem ultramodernen Tresen klar, dass man nur 8 Teile anprobieren dürfte, wir sollten diese nun aus der Einkaufstragetasche holen, die Tasche selbst mit den übrigen 42 Teilen wurde dann von einer Abercrombie-und Fitch ähnlicher Grinsebacke weckgetragen und mit unzähligen anderen weggehängt.

Auf meine empörte Frage, wie ich denn nun die anderen Dinge anprobieren solle, für die ich immerhin lange herumgesucht und angestanden hatte, kam nur die schnippische Antwort, ich müsse mich dann noch einmal hinten anstellen.

Nach der langen Warterei bis hierhin lagen die Nerven schon mehr als blank, sodass wir uns gegen das erneute Anstellen entschieden, uns ein abgelegenes Plätzchen in der Kinderabteilung suchten und die restlichen Teile, sofern möglich, schnell über unseren eigenen Klamotten anzogen. Dies wurde mehrfach von verschiedenen Mitarbeitern gesehen, nicht aber kommentiert. Mir war natürlich mehr als bewusst, dass man solch ein Kundenverhalten ungern sieht, war aber zur Konfrontation bereit.

Nachdem wir es in windeseile geschafft hatten, uns die meisten T-Shirts kurz überzuwerfen, kam sodann eine Frau in Anzug und ohne Namensschild auf uns zu. Ich vermute, dass sie die Filialleiterin war, da sie uns bestimmt aber freundlich bat, das Feld zu räumen. Es entsponn sich eine kleine Unterhaltung zwischen mir und ihr, da ich nicht sang und klanglos gehen wollte. Auf meine Einwände, dass die Besucherströme ungünstig geführt, es kaum Ausschilderungen gibt, eine extrem lange Warteschlange vor der Anprobe steht und es unglaublich sei, dass man erst zuletzt von der 8-Teile-Regel erfährt erwiderte sie nur „das kann ich verstehen, aber das ist die Philosophie von Primark.“

Und wegen der 8 Teile sagte sie man könne ja alles kaufen und sonst zurückgeben, deswegen gäbe es ja die 28 Tage Rückgaberecht. Ich ließ mich mit diesem Ablenkungsversuch jedoch nicht beruhigen, sie versuchte es dann mit der Mitleids-Tour à la „sie wissen ja gar nicht, was ich hier in diesem Laden alles erlebe (wohl z.B. Mütter die ihre Kinder auf dem Gang wickeln und die Windeln liegen lassen). Ich verkniff es mir dann doch an dieser Stelle nochmals auf die fehlende Ausschilderung zu sprechen zu kommen, mir waren jedanfalls keine Wickelräume aufgefallen. Da sie mir dann doch Leid tat, kam ich ihrem Vorschlag nach und reihte mich in die Warteschlange vor den 18 Kassen ein. Wieder Warterei. Meine Schwester stand vor mir, sie wurde aufgerufen und ich lief mit, schließlich wollte ich erst einmal alles zahlen. Die unverkennbar schlecht gelaunte Verkäuferin, pampte mich sogleich an, dass sie nur noch einen Kunden nehmen würde, sie würde die Kasse gleich schließen. Ich erklärte, dass wir doch zusammen gehörten, worauf sie nur „trotzdem!“ zu erwiedern wusste. Erst die von mir sehr nachdrückliche Erklärung, dass ich dann eben alle Kleidungsstücke auf meine Rechnung nehmen wolle, wir demnach also nur ein Kunde seien, ließ sie die Teile genervt entgegennehmen.

Nach dieser Erfahrung wollte ich nur noch eins: Raus aus diesem schrecklichen Laden!