Kulinarische Kieztour durch den Bergmannkiez

Am Samstag den 20.4. fand nun endlich die gebuchte Rundtour von „Das isst Berlin“ von 13.30 bis 15.30 Uhr statt.

Die Tour begann wartenderweise vor dem Senfsalon in der Hagelberger Straße, letzter Gruppenzuwachs der insgesamt 14 Teilnehmer war die Gruppenleitung, die abgehetzt mit dem Taxi eintraf. Ihrem Äußeren zu urteilen macht diese die Führung durchaus öfters.

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Im gelb gestrichenem Souterrain eines Mehrfamilienhauses befindet sich seit 9 Jahren das Geschäft des ehemaligen Opern-Komponists Christoph Schambach, das er zusammen mit seiner Frau, ehemals Fotografin, betreibt. Ein Senfbeitrag in der „Sendung mit der Maus“ veranlasste beide die Berufe zu wechseln und sich selbstständig zu machen. Der Berliner Schambach begrüßte die Gruppe typisch freundlich-uninteressiert, schaffte es aber nach kurzer Zeit trotz Schnoddrigkeiten („mir doch ejal, was ihr macht“), die Gruppe für seine Kreationen zu begeistern. Es wurden 5 Senfsorten zum Probieren angeboten, aufgrund der Verspätung der Führerin wurden wir dann während der Verkaufssession zur Eile gedrängt, sodass einige kein Souvenir-Senf mitnehmen konnten. Schade war auch, dass Schambach uns seinen angeblich sagenumwobenen „Kumpelsenf“ ankündigte, diesen später aber vergaß und man sich nun fragte, wie dieser nun schmeckt. Aber vielleicht war dies auch eine ausgeklügelte Taktik für das Wiederkommen in seinen Laden.

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Im Stechschritt ging es dann bis an das andere Ende der Straße zur Eismanufaktur Vanille&Marille, Laden wie Bürgersteig waren vollgestopft mit Menschen, wie wohl so oft. Wir konnten daran vorbei in den Verköstigungsraum gehen, angrenzend an den Produktionsraum, abgetrennt mit einer großen Glasfront. Der Eishersteller machte der Tourenführerin unmißverständlich klar, dass er nichts zu seinem Laden zu erzählen hätte, das „solle sie mal schön selbst machen“. Diese bemühte sich also redlich die Leute mit gähnend langweiligen Fragen wie: „Weiß hier jemand, wann das erste Eis hergestellt wurde?“ anzuheizen. Einzig gut an dieser Station war das frisch gemachte Himbeereis, hier schmeckte man die Verarbeitung nur frischer Zutaten.

Ein Stück weiter am Chamissoplatz wusste die Tourleiterin ein bischen was zur Geschichte des Viertels zu erzählen. Sie erkannte zum Glück selbst, dass sie nicht zu den lautesten Rednern gehört, wobei ich mich frage, wie man dann zu dieser Art Job kommt. Schade war zunächst auch, dass der kleine, aber nicht minder interessante Wochenmarkt am Platz umgangen wurde, um zum Café Richmond zu gelangen. Dort empfang man uns ebenfalls berlinerisch-unfreundlich, wir sollten nochmal rausgehen, gern 5 Minuten den Markt anschauen. Gesagt getan und so warfen wir noch ein Blick über den ältesten Bio-Wochenmarkt Berlins um dann wie verlangt ein zweites mal Anlauf aufs Richmond zu nehmen. Nach kurzer Wartezeit, die unseren Gide doch etwas nervös machte, bekam die Gruppe selbstgemachte Quiche-Schnittchen serviert, die unglaublich lecker waren. Ob Lachs-Kapern-Quiche, Zuccini-Olive oder Tomaten-Ziegenkäse, hierfür lohnt es sich, wiederzukommen.

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Ungünstig, dass die nächste Station, eine Nudel-Kochschule „In ala Munde“, zwar im Flyer angekündigt wurde, ohne weitere Erklärung aber ausfiel. Zum Glück konnte der Ersatz „Glück to go“ in der Friesenstraße die Betrübung darüber allemal wettmachen. Hier erwartete uns eine gut vorbereitete Inhaberin, ehemals aus dem Marketing stammend. Eine Reise nach Gujarat in Indien ließ die Idee zum Berliner „Wellfood-Imbiss“ entstehen. Hier gibt es Fastfood, das durch besondere Zubereitungsart und Würzmittel besonders bekömmlich ist, man bedient sich hierzu auch der Ayurvedischen Philosophie. Die gut gelaunte Kirsten Peters kam uns mit wehenden Haaren und klingenden Kettchen entgegen, reichte ersteinmal ein Ingwer-Minz-Wasser und servierte dann die Nachspeise zuerst, so will es Ayurveda. Es gab einen himmlisch-köstlichen cremigen Yoghurt, der über Nacht abgehangen wurde, angereichert mit Safran und Rosenwasser, sowie Himbeeren. Diese simple Creme war eine Offenbarung und alleine sie wird mich den Laden wieder aufsuchen lassen.

Nicht minder interessant, für mich jedoch geschmacklich langweiliger als gedacht, waren die aus Belgien stammenden Pommes mit besonderer indischer Gewürzmischung. Interessanter war an diesem Gang die selbstgemachte Mayonaise mit Holunder, sehr lecker!

An dieser Station gab es endlich das, was ich von den anderen auch erwartet hätte: Enthusiasmus und Begeisterung für den eigenen Laden, der auch auf die Gruppe überschwappte. Die Besitzerin von „Glück to go“ erzählte viel und geradezu liebevoll von ihren großartigen, selbst konzipierten Burgern (alle vegetarisch), dass ich mich geradezu genötigt fühle, wiederzukommen um einen dieser Vital-Burger zu testen. „Glück to go“ steht nun also auf meiner To-do-Liste.

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Gleich gegenüber liegt der nächste Kreuzberger Streich: Die Brezel Bar, auch von einem der anscheinend unzähligen Menschen betrieben, die ursprünglich nicht aus der Gastronomie stammen. Hier gibt es alles was das Brezelherz begehrt: sogar in Rohrzucker geschwenkte, süße Brezeln, die es für uns auch gleich zur Verköstigung gab. Die Frische dieser konnte man schmecken, in der Nebenstraße befindet sich schließlich die hauseigene Bäckerei. Das Interior überzeugte durch seine Detailverliebtheit, hier ein bischen Kunst, dort reichlich Lesestoff und nette Sitzecken mit Sofas luden zum Verweilen ein.

Sitzecke in der Bretzel Bar
Sitzecke in der Bretzel Bar

Nach einem kurzen Gang durch die Marheineke-Markthalle (wie mussten gleich ein Stück Rehfilet und vom Franzosen Paté mitnehmen) ging es dann last but not least zur letzten Sation der Führung: In den Weinhandel „not only riesling“ von Frank Böhm. Vorab leistete sich unsere Anführerin einen kleinen Faux-Pas, indem sie mir vor versammelter Mannschaft sagte: „Ich nehme an, du trinkst nichts?“ und das nur, weil ich den Rest-Schwangerschaftsbauch wohl ein wenig vorgeschoben hielt. Natürlich kann einen solchen Bauch als Unwissende wohl schwer einschätzen, dann sollte man aber lieber Schweigen, bevor man andere (in diesem Falle also mich) in Verlegenheit bringt.

In der Bar angekommen gab es dann Gelegenheit das Innere zu bestaunen: hier gibt es eine schicke Bar, schicke Einrichtung samt Sitzgelegenheiten für die Weinprobe und einen noch schickeren Inhaber, der vom Äußeren her eher in Hamburg anzusiedeln wäre. In seiner Bar gibt es unter anderem 60 verschiedene Sorten Riesling, alle aus Deutschland und meist von kleineren Herstellern. Auf der Internetseite des Ladens können sich Interessierte eine 11 Seiten lange Auflistung des Repertoires ansehen. Wir bekamen zur Krönung des Tages einen Riesling-Secco serviert, genau richtig nach dem ganzen Herumgerenne.

Fazit: Eine nette Möglichkeit seine Stadt ein bischen besser kennenzulernen und auch an kleinen Lädchen nicht einfach vorbei zu gehen. Das Ganze könnte durchaus noch animativer angeleitet werden aber ich bin durchaus neugierig auf die anderen Touren geworden. Das nächste Mal geht’s dann nach Prenzlberg!

Die Improbanden im Klaus Abendbrot „Unter goldener Decke“

Am Samstagabend spielten die Improbanden erstmalig im Kietzcafé Klaus Abendbrot in Friedrichshain.

Die zum Café umgebaute ehemalige berliner Wohnung ist passend zum gewählten Abendtitel mit einer goldenen Decke gesäumt, der Wohnzimmer-anmutende Raum fasste für diesen Auftritt ca. 35 Zuschauer, allesamt schon improerfahren.

Hervorzuheben ist die Atmosphäre des Ganzen: Bilder und Kerzenleuchter an der Wand, alte Sofas, sowie ein Klavier und Blumensträuße luden ein, sich hier wohl zu fühlen und sich nebenbei ein Stück des himmlischen, selbst gebackenem Dattelkuchens einzuverleiben.

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Der im schicken schwarzen Hemd gekleidete Moderator wusste es, das Publikum mit seiner ruhigen-understatement-Art für sich zu gewinnen und führte charmant durch den Abend.

Zum Auftakt gab es ein paar kleine Tag-out-Szenen, durch die man die einzelnen Spieler schonmal vorab kennenlernen und erleben konnte.

Daraufhin folgte ein ABC-Szene, diesmal beginnend bei M und endend beim Buchstaben N, in einem Planetarium, gespielt von zwei Damen der Gruppe. Es entspann sich eine schöne Liebesszene, die außer dem Bestaunen der Sterne nicht viel anderes Setting brauchte, da alles enthalten war, was eine gute Szene braucht: Figuren mit einem „want“, eine Beziehung zwischen den Personen, ein zu lösendes Problem und schließlich ein Happy End.

Beim nächsten Experten-Spiel wurde für meine Ohren versäumt zu sagen, dass die herausgeschickte Experten-Person herausfinden muss, welche Erfindung sie selbst gemacht hat, aber vielleicht war dies auch so gewollt.

Belustigung machte sich bei mir bei der Vorgaben-Einholung breit. Ein „normaler“ Zuschauer machte den Vorschlag eine Zeitmaschine soll die Erfindung der Szene sein. Hierbei dachte ich: Nett, aber langweilig. Ausgebaut wurde dies dann von einer Zuschauerin, die selbst Impro spielt und zwar so kreativ, wie es wahrscheinlich nur Improspieler sein können: Die Zeitmaschine wurde noch in ihrer Funktion auschraffiert, speziell Gemüse in Vergangenheit oder Zukunft schicken zu können, um diese vom Verfaulungsprozess zu befreien, bzw. schneller reifen zu lassen.

Ein Lob an die spielende Expertin, die galant und schnell die Lösung herauszufinden wusste.

Die erste Halbzeit mündete dann in einem fulminanten Auftritt zweier Staubsauger-Extrem-Sportler bei ihrer Weltmeisterschaft. Hier amüsierte sich das Publikum beim Zuschauen des gegenseitigen Ansaugens, Beinstellen mit Staubsaugerrohren und akrobatischem über-dem-Kopf-saugen.

Nach der entspannenden Pause fing die zweite Halbzeit mit kleinen Zettelspielszenen an, um das Publikum erneut anzuheizen. Dies wär auch fast im wörtlichen Sinne geschehen, als eine der Spielerinnen mit ihrem weggeworfenem Zettel beinahe eine Kerze aus ihrem Wandhalter schubste.

Dies ging in letzter Sekunde noch einmal gut, feurig ging es trotzdem weiter: in einer längeren Szene traf eine von ihren Kindern gebeutelte und allein erziehende Mutter während ihres Rimini-Urlaubes auf den heißen Italo-Spanier Andrés. Diesen nahm sie zur Lösung ihres Haushaltsproblems gleich mit nach Hause, konnte er ihr doch als Koch gut beim Pasta zubereiten daheim helfen.

Ans eigene „Daheim“ wollte man nach diesem Abend gar nicht denken, die Zuschauer waren restlos begeistert und riefen euphorisch nach Zugaben, die sie auch in Form von Take-outs bekamen.

Zum Abschluss muss noch gesagt werden, dass ich zu gerne in solchen Shows sitze und mit Argusaugen nach Fehlern suche, doch dies war der bisher beste Abend, den ich von den Improbanden je gesehen habe.

Dem gibt es nichts hinzuzufügen.

Die Improbanden mit ihren Lieblingsspielen

Am Samstag den 6.4.13 spielten „Die Improbanden“ wieder Improvisationstheater in ihrer Stammlocation Lange Nacht-Bar in Neukölln. Diesmal mit dem Slogan „Lieblingsspiele“.Jeder der fünf Spieler brachte den Zuschauern ein oder mehrere Games näher, schön war hierbei die dadurch entstehende Abwechslung in der Moderation.

Zunächst hatten die Improbanden einen schwierigen Start: Entgegen der normalerweise ordentlichen Zuschaueranzahl, blieben diesmal einige der Stühle leer. Das wäre nicht weiter ein Problem gewesen, wenn nicht die sehr betrunkenen neuköllner Originale nach dem Fußballspiel sitzen geblieben wären und die Anmoderation mit voller Kraft zu übertönen versuchten.

Doch professionell wie sie eben sind, ließen sich die Spieler davon ihre Freude für den Abend nicht nehmen.

Zugegebenermaßen war der Auftakt mit der holprigen Einwortgeschichte nur was für ganz verliebte Improliebhaber, nach und nach konnte die Gruppe jedoch ihre Souverenität wiederfinden. So steigerte sich die Intensität der Szenen, hin zu einer wunderbaren zweiten Halbzeit mit einem Gefühlsquadrat, das es in sich hatte: hier kam es dazu, dass es sogar eine Figur ohne Arme und Beine gab, selten gesehen auf den Bühnen dieser Welt.

Das Publikum versuchte eifrig die fehlende Zuschaueranzahl zu kompensieren, die die da waren, waren von erster Güte, riefen, schrieben und bereicherten den Abend ungemein.

Es war schön!