Game of death- Impro by Jacob Benigan

Im Rahmen des in Berlin veranstaltetem Internationalen Improfestivals 2013 trat unter anderem auch der Kanadier (nun in Graz lebend) Jacob Benigan vor das Publikum. Vorweg mein Statement: Die beste Improshow, die meinen Augen bisher untergekommen ist! Und dann auch noch mit nur einem Akteur.

Trotz der Spielzeit am Sonntag Abend haben es genug Zuschauer vom Sofa ins Ratibortheater geschafft, es war restlos ausverkauft.

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Jacob nahm sich anfangs recht viel Zeit, um seine Vorgaben mittels französischen Tarotkarten, zu denen das Publikum assoziieren durfte, einzuholen und seine Art des Spielens zu erklären. Sein „Stage monkey“, sprich Helfer Felipe Ortiz aus Bogota holte sich als Kartenträger hier die ersten Lacher.

Die gezogenen Karten für die erste Halbzeit waren “ Sterne“, „Brief“ und für Jacob erst einmal versteckt die Zusatzkarte „Maus“. Es wurde eine totenkopfförmige Eieruhr von einem Zuschauer auf 16 Minuten gestellt. Nach Ablauf der Zeit sollte die gerade gespielte Bühnenfigur sterben, so erklärte sich nun auch der Titel der Show.

Durch einen weiteren Zuschauer wurde zudem mittels Fingerzeig auf einen Globus der Spielort, hier in China, festgelegt.

In den folgenden Minuten entstand durch Jacobs schauspielerisches Talent gleich mehrere sehr plastische Welten. Es begann mit einem Klippenszenario, hinüber zum Dorfmarkt- und Hausinnern hin zu einem Bambuswald. Die Ortbildung wurden äußerst gelungen durch Musik von DJ Hunnicut und der Lichttechnik unterstützt. Jacob schaffte es durch charakteristisch eingenommene Körperhaltungen, dass der Zuschauer schon nach Sekunden des Wechseln zwischen den einzelnen Figuren, wusste, ob gerade Meister Ping oder Mister Reis gespielt wurde.

An dieser Stelle muss ich seine Fähigkeit hervorheben, Tiere zu spielen. Sein kräftiges Mitschwingen der Vorderarme machte ihn zu einem Pandabär, später sah man sofort den Falken. Besonders gelungen war hierbei, dass er selbst zunächst den Falken spielte, wenige Sekunden später dann Mr. Ping, dem der Falke auf den Arm flog.

Die Story an sich war ausgereift, es gab einen Spannungsbogen, eine Art Coming-of-age-Geschichte und ein Happy End.

Die zweite Halbzeit wurden wieder Tartotkarten gezogen: „Mädchen“ und „Vogel“. Etwas mystisch erzählte Jacob nun, dass sein Spiel dazu aus zwei Teilen bestehe, der Sinn des Ersten würde sich erst später zeigen, man solle sich als Zuschauer nicht wundern.

Es wurde dunkel, Felipe nahm Jacob mit einer kleinen Handkamera auf: Jacob verwandelte sich in ein kleines Mädchen, dass etwas schüchtern mit seinem Vater in den Dialog ging. Um diesen wirken zu lassen, sah man nur das Mädchen, die Antworten des Vaters wurden mittels stiller Pausen dargestellt. Jacob ließ ein hoch emotionales Stück entstehen, ein Mädchen, dass um die Gunst des Vaters buhlte.

Die Bühne wurde wieder beleuchtet und eine Leinwand aufgerollt, auf der das gerade gedrehte Video zu sehen war. Jacob stand nun den Vater spielend davor und ergänzte den Dialog mit Antworten und Reaktionen. Diese schienen wie eingeübt, es passte alles zu den Aussagen des Mädchens. So sah man nun den Dialog im Ganzen.

Das Publikum war derart mitgerissen, dass es nach Beendigung der Szene Standing Ovations gab. Später hörte man sich viele aus dem Publikum fragen, wie Benigan dies wohl gemacht hat.

Für die letzte Zauberei Benigans wurden die Karten „Ring“ und „Berg“ gezogen. Zu letzerem wurde von ihm ein Erlebnis aus dem Publikum erfragt. Die Geschichte einer Zuschauerin, die einmal zwei Stunden in einer Berggondel gefangen war, da im Dorf Stromausfall war, wurde als weitere Inspiration genutzt.

Das Besondere hieran: Jacob sprach kein einziges, richtiges Wort, sondern verwendete nur die Impro-Sprache Gibberisch, bei der einfach verschienene Laute aneinander gereiht werden. Für sein Gibberisch holte er sich die Inspiration „Spanisch“ und ließ sein Gebabbel durch gekonnt eingesetzte Sprachmelodie zumindest spanisch wirken. Die Szene zeigte wieder einmal, wie wenig Sprache notwendig ist, um ein Stück wirken zu lassen.

Ein weiterer Zuschauer bekam eine Glocke in die Hand gedrückt. Lies er diese klingeln, war Jacob gezwungen, sofort zwischen seinen Figuren hin- und her zu wechseln.

Es entsponn sich eine Geschichte eines verliebten Pärchens in einer Gondel. Zunächst war der Mann der Gigolo, später emanzipiert sich die Frau, ging tapferer mit der Krisensituation um und stieg aus der hängenden Gondel. Sie wurde vom Blitz des Wettergotts getroffen, gerät mit diesem über den Wolken in ein Gerangel, wodurch sie die Fähigkeit zu fliegen erhielt. Sie flog zu ihrem immer noch fest sitzendem Mann, und sagte ihm Angesichts seiner Ängstlichkeit Lebewohl.

Der Abend wurde durch minutenlanges Trampeln, Klatschen und Bravo-Rufen quittiert! Begeisterter kann man nicht sein!

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