IMPRO 2013: La Triviata- Improvisierte Oper

Am Freitag Abend ging ich voll guter Erwartungen La Triviata anschauen, einer münchener Opern-Improgruppe, die nun im Mehringhoftheater im Rahmen des Improfestivals auftrat. In der offiziellen Beschreibung wurde zuvor der Kopf der Truppe, Andreas Wolf, als einer der erfahrensten Improspieler deutschlangdweit angepriesen. Zudem hieß es dort, es würde eine abendfüllende Oper gezeigt, was in der Realität leider nicht der Fall war, vielleicht habe ich „abendfüllend“ aber auch einfach falsch interpretiert.

IMG_0702

 

Zugute halten muss man den ausgebildeten Sängern (u.a.Andreas Dellert) und Sängerinnen (u.a. Verena Barth), dass sie über herausragende Stimmen verfügten, die voll und ganz in das Operngenre passten.

Die erste Halbzeit bestand aus mehreren Games. Durchaus eine nette Idee war sich mittels Bild-Zeitungsartikel, den ein Zuschauer aussuchen durfte, die Inspiration zu holen. Dieser wählte „Heidi Klum laufen die Models weg“. Sehr komödiantisch war dann das Vortragen des Artikeltextes per Operngesang, zwischendurch wurden einzelne Abschnitte mit kleinen Take-Out-Szenen versehen, wobei das schauspielerische deutlich auf der Strecke blieb.

Gefallen hat mir auch das nächste Game: eine Zuschauerin wurde zu ihrem Tagesablauf interviewt. Charmant wusste Andreas Wolf einen kleinen Vortrag über Träume zu halten und erklärte, dass die Schauspieler nun der Zuschauerin das nächtliche Träumen abnehmen würden und arbeiteten ihren Tagesablauf auf der Bühne auf. Hier auch wieder eine unvermeidlich-komödiantische Szene, die sich allein durch das Zusammenbringen der Themen Lippenstiftkauf im KDW und Bahnfahrt als Operninhalt, ergab.

Die zweite Halbzeit begann damit, dass Andreas Wolf den Raum als opulentes Opernhaus ausschraffierte und holte sich dazu noch einen Operntitel ein: „Die Kamel-Karawane“. Wenig überraschend folgte Opernmusik im Orientstyle. Die Story war, wenn auch holprig, durchaus vorhanden, wurde aber kaum bis gar nicht bespielt. Dies kam durch das viele Gesinge und das recht dominante Eingreifen von Andreas als Regisseur. Störend empfand ich besonders, dass dieser teilweise mitten in den Szenen auf die Bühne sprang und die Spieler in andere Positionen oder gar von der Bühne zog, wenn er der Meinung war, das dies nötig sei. Etwas mehr Eigenständigkeit der Spieler hätte ich mir schon gewünscht. Schauspielerisch trat einzig Andreas Dellert hervor, in dem mir durchaus eine kleine versteckte „Rampensau“ zu stecken schien.

Die Zuschauer waren am Ende des Abends hingerissen, der Applaus wollte nicht enden, sodass das Ensemble mehrere Male auf die Bühne zurück kam und schließlich eine Zugabe gab.

Diese bestand darin, dass eine Zuschauerin die Sänger auf der Bühne platzieren sollte, das dadurch entstandene Standbild sollte dann den Schluss der Szene markieren. Es entspann sich die erste und letzte Szene des Abends, die ich mit Improvisationstheater in Verbindung bringen würde. Endlich gab es Figuren, einen bespielten Raum und eine Story mitsamt Spannungsbogen. Das Rockkonzert-anmutende Endbild fügte sich wunderbar ein und wurde zum Ende der in der Szene gespielten Geburtstagsparty.

Das Publikum war wiederholt euphorisch.

Ich hingegen hatte offensichtlich andere Vorstellung von dem Abend. Ich hatte gedacht, dass das Ganze mehr mit Improvisationstheater zu tun hat. Auch die Songstrukur hatte nicht viel mit dem gemein, was ich unter einem guten imrpovisiertem Lied verstehe (z.B. ähnelten sich die Melodien häufig). Insgesamt war es ein netter Einblick in das Genre „Oper“, ähnliche Auftritte muss ich aber nicht noch einmal sehen.

Game of death- Impro by Jacob Benigan

Im Rahmen des in Berlin veranstaltetem Internationalen Improfestivals 2013 trat unter anderem auch der Kanadier (nun in Graz lebend) Jacob Benigan vor das Publikum. Vorweg mein Statement: Die beste Improshow, die meinen Augen bisher untergekommen ist! Und dann auch noch mit nur einem Akteur.

Trotz der Spielzeit am Sonntag Abend haben es genug Zuschauer vom Sofa ins Ratibortheater geschafft, es war restlos ausverkauft.

IMG_0682

Jacob nahm sich anfangs recht viel Zeit, um seine Vorgaben mittels französischen Tarotkarten, zu denen das Publikum assoziieren durfte, einzuholen und seine Art des Spielens zu erklären. Sein „Stage monkey“, sprich Helfer Felipe Ortiz aus Bogota holte sich als Kartenträger hier die ersten Lacher.

Die gezogenen Karten für die erste Halbzeit waren “ Sterne“, „Brief“ und für Jacob erst einmal versteckt die Zusatzkarte „Maus“. Es wurde eine totenkopfförmige Eieruhr von einem Zuschauer auf 16 Minuten gestellt. Nach Ablauf der Zeit sollte die gerade gespielte Bühnenfigur sterben, so erklärte sich nun auch der Titel der Show.

Durch einen weiteren Zuschauer wurde zudem mittels Fingerzeig auf einen Globus der Spielort, hier in China, festgelegt.

In den folgenden Minuten entstand durch Jacobs schauspielerisches Talent gleich mehrere sehr plastische Welten. Es begann mit einem Klippenszenario, hinüber zum Dorfmarkt- und Hausinnern hin zu einem Bambuswald. Die Ortbildung wurden äußerst gelungen durch Musik von DJ Hunnicut und der Lichttechnik unterstützt. Jacob schaffte es durch charakteristisch eingenommene Körperhaltungen, dass der Zuschauer schon nach Sekunden des Wechseln zwischen den einzelnen Figuren, wusste, ob gerade Meister Ping oder Mister Reis gespielt wurde.

An dieser Stelle muss ich seine Fähigkeit hervorheben, Tiere zu spielen. Sein kräftiges Mitschwingen der Vorderarme machte ihn zu einem Pandabär, später sah man sofort den Falken. Besonders gelungen war hierbei, dass er selbst zunächst den Falken spielte, wenige Sekunden später dann Mr. Ping, dem der Falke auf den Arm flog.

Die Story an sich war ausgereift, es gab einen Spannungsbogen, eine Art Coming-of-age-Geschichte und ein Happy End.

Die zweite Halbzeit wurden wieder Tartotkarten gezogen: „Mädchen“ und „Vogel“. Etwas mystisch erzählte Jacob nun, dass sein Spiel dazu aus zwei Teilen bestehe, der Sinn des Ersten würde sich erst später zeigen, man solle sich als Zuschauer nicht wundern.

Es wurde dunkel, Felipe nahm Jacob mit einer kleinen Handkamera auf: Jacob verwandelte sich in ein kleines Mädchen, dass etwas schüchtern mit seinem Vater in den Dialog ging. Um diesen wirken zu lassen, sah man nur das Mädchen, die Antworten des Vaters wurden mittels stiller Pausen dargestellt. Jacob ließ ein hoch emotionales Stück entstehen, ein Mädchen, dass um die Gunst des Vaters buhlte.

Die Bühne wurde wieder beleuchtet und eine Leinwand aufgerollt, auf der das gerade gedrehte Video zu sehen war. Jacob stand nun den Vater spielend davor und ergänzte den Dialog mit Antworten und Reaktionen. Diese schienen wie eingeübt, es passte alles zu den Aussagen des Mädchens. So sah man nun den Dialog im Ganzen.

Das Publikum war derart mitgerissen, dass es nach Beendigung der Szene Standing Ovations gab. Später hörte man sich viele aus dem Publikum fragen, wie Benigan dies wohl gemacht hat.

Für die letzte Zauberei Benigans wurden die Karten „Ring“ und „Berg“ gezogen. Zu letzerem wurde von ihm ein Erlebnis aus dem Publikum erfragt. Die Geschichte einer Zuschauerin, die einmal zwei Stunden in einer Berggondel gefangen war, da im Dorf Stromausfall war, wurde als weitere Inspiration genutzt.

Das Besondere hieran: Jacob sprach kein einziges, richtiges Wort, sondern verwendete nur die Impro-Sprache Gibberisch, bei der einfach verschienene Laute aneinander gereiht werden. Für sein Gibberisch holte er sich die Inspiration „Spanisch“ und ließ sein Gebabbel durch gekonnt eingesetzte Sprachmelodie zumindest spanisch wirken. Die Szene zeigte wieder einmal, wie wenig Sprache notwendig ist, um ein Stück wirken zu lassen.

Ein weiterer Zuschauer bekam eine Glocke in die Hand gedrückt. Lies er diese klingeln, war Jacob gezwungen, sofort zwischen seinen Figuren hin- und her zu wechseln.

Es entsponn sich eine Geschichte eines verliebten Pärchens in einer Gondel. Zunächst war der Mann der Gigolo, später emanzipiert sich die Frau, ging tapferer mit der Krisensituation um und stieg aus der hängenden Gondel. Sie wurde vom Blitz des Wettergotts getroffen, gerät mit diesem über den Wolken in ein Gerangel, wodurch sie die Fähigkeit zu fliegen erhielt. Sie flog zu ihrem immer noch fest sitzendem Mann, und sagte ihm Angesichts seiner Ängstlichkeit Lebewohl.

Der Abend wurde durch minutenlanges Trampeln, Klatschen und Bravo-Rufen quittiert! Begeisterter kann man nicht sein!

Mariona

Zum wiederholten Male wurde der Lieblings-Katalane um die Ecke für Speis und Trank konsultiert.

Direkt hinter der Eingangstür wurden wir vom allseits gut gelauntem Kellner (mutmaßlich auch der Besitzer) empfangen und dank des „Innerhalb-der-Woche“- Abendmahls konnte man sich den Platz frei auswählen. Durch die anfänglich übersichtlichen Mitesser war es angenehm ruhig und auch das Raumklima überzeugte durch wohlige Wärme.

Nebem dem empfohlenem leichtem Rioja brauchte es nicht lang etwas aus der Karte zu wählen, bei Angeboten wie „Konfitierte Birne gefüllt mit Gänse-Portwein-Pate und Parmesan Krokant“ oder “ Getrüfelltes Rührei mit Pinienkernen auf selbst gebackenem Weißbrot“ war die einzige Schwierigkeit, nicht gleich alles bestellen zu wollen.

Für mich gab es zur Vorspeise: Rindfleisch-Hamburger mit Trüffelmajonaise

IMG_0672

In Punkto Hamburger musste ich in diesem Laden Wiederholungstäterin sein.

Das Brötchen leicht teigig, selbst gebacken, war diesmal auf der untersten Schicht mit Gurken-Paprika- Antipasti belegt, was interessant, jedoch durch die recht viel austretende Flüssigkeit nicht ganz so mein Fall war. Dies kleine Manko wurde schnell wett gemacht durch das darauf folgende Fleisch: die Hackstückchen hingen locker-flockig aneinander, außen knusprig angeröstet, im inneren Kern zart rosé. Mit Biss darauf trat, der hier wiederum erwünschte Fleischsaft heraus und gab eine Ahnung an die dezente, aber wirkungsvolle Würzung frei. Die Bulette wurde sodann von der hausgemachten Trüffelmajonaise umschmeichelt und obwohl ich kein bekenndender Trüffelfan bin, war der Geschmack eine wahre Freude: cremig-weich, leicht sähmig, die Trüffelnote ausgewogen portioniert. Es folgte eine knackig-frische Kresseschicht mit Tomatenscheibe, die diesen Namen noch verdient. Final dann die außen krosse, innen weiche Brötchenhälfte. Gekröhnt wurde der geradezu berauschende Geschmack von kleinen, vereinzelt eingesetzten Meersalzkörnchen im Burger, die den Gaumen ab und an zu überraschen wussten.

Es folgte sodann das Hauptgericht: Seeteufelfilet auf schwarzen Nudeln und Mejillón

IMG_0673

Die leicht eingeölten Nudeln wurden offensichtlich selbst eingefärbt, anders kann ich mir die Unmengen an schwarzer Farbe auf dem Tellergrund nicht erklären. Die Nudeln waren gut essbar, in der Menge jedoch für ein normales Magenvolumen zu viel an der Zahl. Im Nudelnest, farblich gut getarnt, waren bei näherem Hinsehen die Miesmuscheln zu finden, geschmacklich würde ich sie als unauffällig-normal bezeichnen. An diesem Gericht war einzig und allein der Fisch herausragend: das weiße Fleisch saftig und geradezu schmelzend-fluffig, außen mit leicht angerösteter Safranschicht. Dem wäre eigentlich nichts hinzuzufügen, der Koch war hier jedoch anderer Meinung und garnierte das Ganze noch mit einem kleinen Ali oli- Klecks.

Das Dessert: Schokoküchlein mit Schmelzkern und Orangenkrokant

Hierzu ist das Foto aufgrund des schwindenen Kerzenlichts mißlungen. Vielelicht sollte es so sein, dass niemand das Küchlein ansehen kann, denn  es war auch nicht weiter erwähnenswert. Leider eine Enttäuschung.

Das Kuchenäußere fest, das innere wie bestellt weich, floss nach der Gabelattacke pflichtbewusst auf den Tellergrund.  Geschmacklich würde ich in Schulnoten eine 4 vergeben: die Schokolade war nur erahnbar, das ganze wurde durch eine stark mehlige Note noch verwaschener.

Erwähnen sollte ich zu diesem Gericht dann doch noch das Orangenkrokant: knusprig-krümelig, fruchtiger Orangengeschmack, diese Kombi passt immer gut zu Schokokuchen aller Art, hier gab es nichts zu beanstanden.

Fazit des Abends: Trotz der kleinen Mängel überaus gelungen, sehr leckeres Essen, ich komme immer wieder gern zurück zu diesem feinen Stück Katalonien in Berlin.

ITB

Ägypten-Stand
Ägypten-Stand

Die diesjährige internationale Touristikmesse verbucht dieses Jahr 172000 Besucher, darunter wieder einmal auch mich. Dank Freikarten umgingen wir galant die schnittigen 15 Euro Eintrittsgeld und warfen einen Blick über die unzähligen ( naja, irgendwer hat sich des Zählens angenommen und ist auf 10086 Aussteller gekommen) Stände. Resultat: gähnend langweilig. Nachdem ich letztes Jahr dank meiner Curacao-Gewinnreise doch noch etwas Euphorie verspüren durfte, deprimierte mich das diesjährige Angebot: um 15 Uhr am letzten Ausstellungstag machten 70 % der Aussteller den Eindruck am liebsten sofort abhauen zu wollen. Es wurde heimlich abgebaut und aufgeräumt, beworbene kulinarische Angebote waren bereits durch abgefressene Buffets und Müllberge ersetzt. Die Präsentationen der Länder waren teiweise mit letztem Jahr deckungsgleich und auch sonst oft einfalls- wenn nicht sogar lieblos. Da half das Entertainment-Programm Andalusiens mittels traditioneller Musik auch nicht weiter, zumal die Tänzer sich vorab 15 Minuten im rhytmischen Geklatsche versuchten, was den einen oder anderen Zuschauer zur Flucht zwang.

Ich bin immer für neue Eindrücke aus anderen Ländern zu haben, doch befand ich dann den müden Auftritt der Miss English Virgin Islands doch eher nur peinlich.

Auch die ultra-innovative Idee, diesmal die Reisen für Interessierte direkt buchbar zu machen, floppte…

Fazit des Ganzen: nette Idee, noch stark ausbaufähig (z.B. Verkauf traditioneller Gerichte würde mir gefallen), ich muss nicht wieder hingehen

P.S. Dem Freund gefielen einzig und allein die Spielmöglichkeiten

RUF-Stand
RUF-Stand